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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 1

25 Die Epidamnier sahen nun, daß ihnen von Kerkyra aus keine Hilfe werde, und waren sehr in Bedrängniß, wie sie ihre Lage bessern sollten. Sie schickten nach Delphi, den Gott zu fragen, ob sie ihre Stadt nicht den Korinthern als den ersten Gründern übergeben und versuchen sollten, diese zur Hilfe zu bewegen. Der Gott befahl ihnen, sich den Korinthern zu ergeben und sie zu Anführern zu machen. Die Epidamnier kamen nun nach Korinth und übergaben dem Orakelspruch gemäß ihre Pslanzstadt, indem sie erinnerten, daß ihr als Adel. Unter diesen war wiederum die Heraklidensamilie der Bakchiaden die mächtigste. Aus ihr wurden die Prytanen, d. i. leitende Magistrate, alljährlich gewählt und zugleich die Anführer auswandernder Kolonisten. Eine ihrer ältesten Kolonien war Kerkyra (bei Homer Scheria und Sitz der Phäaken, sonst auch ihrer sichelförmigen Gestalt wegen Drepane genannt, jetzt Korsu), ausgesandt um 7 00 v. Chr. unter Anführung des Bakchiaden Chresikrates. Die Auswandernden nahmen zugleich das heilige Feuer aus dem Prytaneum der Hauptstadt mit, wodurch vorzüglich diese zur eigentlichen Mutterstadt wurde. Wenn nun ein Staat wie Kerkyra seinerseits wieder Kolonien aussandte, so erbat er sich dazu aus seiner Mutterstadt einen Anführer, und so wird hier der Bakchiade Phalios aus Korinth als Gründer der Kerkyräischen Pflanzstadt Epidamnos (627 v. Chr.) genannt. Vgl. III. 7 5. Thukydides I. 3 Gründer aus Korinth gewesen sei, und den Spruch des Gottes mittheilten. Sie baten auch, man möge ihrem Verderben nicht ruhig zusehen, sondern helfen. Die Korinther übernahmen, wie es Recht war, die Hilfeleistung, da sie glaubten, daß die Pflanzstadt nicht weniger ihnen gehöre als den Kerkyräern, zugleich aber auch aus Haß gegen die Kerkyräer, weil diese, obgleich eine Korinthische Pflanzstadt, ihnen doch keinerlei Aufmerksamkeit erwiesen. Denn sie ließen ihnen weder bei allgemeinen Versammlungen die gewöhnlichen Ehrenbezmgungen zu Theil werden, noch auch gestatteten sie den Vortritt bei den Opfern einem Korinther, wie es die Sitte der Pflanzstädte war 6 6), sondern behandelten sie übermüthig. Auch konnten sich in der That die Ker- 68) Um das I. 650 v. Chr. verdrängte in Korinth Kypfelos, ein Nicht- dorier, aber mütterlicher Seits mit den Bakchiaden verwandt, mit Hilfe der unteren Stände den alten dorischen Adel und machte sich selbst zum Tyrannen (Anm. 50*). Ihm folgte sein Sohn Periander und diesem sein Sohn Pfammetichos, welcher durch die Lakedämonier gestürzt wurde. Diese Kypseliben hatten sich vorzüglich am jonischen Meere auszubreiten gesucht und auch mit den festländischen Barbaren Verbindungen angeknüpft, wodurch sie in Zwist mit Kerkyra geriethen, welches sich schon frühzeitig in denselben Gewässern zum Nebenbuhler Korinths aufgeworfen hatte. Der Krieg mit Periander ist oben schon erwähnt (?lnm. 42). Dessen Nachfolger unterivars die Insel wieder förmlich, bis sie sich zum zweiten Male los-riß und, indem sie von nun an in offener Feindseligkeit gegen Korinth handelte, dessen Macht bedeutend schwächte. Die Kolonien befanden sich in keiner anderen Abhängigkeit vom Mutter- staate , als daß sie sich mit demselben als blutsverwandt zu betrachten und ihm die Ehrerbietung zu erweisen hatten, welche den Vätern ihre Nachkommen schulden. Sie hatten dieselben Gottheiten und Kulte, dieselben Embleme auf ihren Münzen u. dgl. Gesandten und anderen Bürgern der Mutterstadt wurden bei feierlichen Gelegenheiten Ehrenplätze angewiesen, und die hauptsähclichsten Feste des Mutter- staates wurden durch Gesandtschaften mit Festgaben beschickt. Die Kerkyräer, welche sich überhaupt durch Brutalität und betrügerischen Geist unbeliebt gemacht hatten, vernachlässigten den Korinthern gegenüber diese Aufmerksamkeiten. Diodor XII, 30 erwähnt als Grund des Hasses, daß sie der Mutterstadt die üblichen Opferthiere nicht geschickt. — Wie konnten aber die Kerkyräer den Korinthern z. B. den Vorsitz bei den Jsthmien verweigern? Eher ließe sich dies aus Festspiele beziehen, die zu Kerkyra gefeiert wurden (Poppo). Besonders ist wohl an Theoren (gottesdienstl. Sendboten) zu denken, welche die Kerkyräer nicht zu Korinthischen Festen gesandt- vgl. VI, s. (Kr.) — Vortritt bei den Opfern; es heißt eigentlich: sie theilten nicht einem Korinther die Erstlinge des Opfers zu, damit er sie auf dem Altar den Göttern verbrenne. (Kr.) kyräer sowohl an Geldmacht mit denen messen, welche damals unter den Hellenen die reichsten waren, als sie auch an Kriegsmacht unter den Uebrigen vorragten und sich zu gewissen Zeiten sogar rühmen durften, durch ihre Flotte alle Andern weit zu übertreffen. Im Seewesen war nämlich Kerkyra noch von den Zeiten der Phäaken her berühmt, welche früher dort gewohnt hatten. Deshalb verlegten sich die Kerkyräer auch vorzüglich aus den Schiffsbau, und ihre Seemacht war nicht gering, denn als sie den Krieg begannen, besaßen sie hundert und zwanzig Dreiruderer

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