Kitap 1
6
Damals, wo die Wohnsitze unbefestigt und die Straßen unsicher waren, war es in Griechenland ganz allgemein, Waffen zu tragen; auch im gewöhnlichen Leben ging man, wie die Barbaren, immer bewaffnet. Und eben daraus, daß das in solchen Gegenden Griechenlands, wo sich die alte Wohnweise erhalten hat, auch jetzt noch Sitte ist, können wir schließen, daß sie früher allgemein gewesen sein wird. Mit die Ersten, welche das Waffentragen aufgaben und eine bequemere, beinah üppige Lebensweise annahmen, waren die Athener. Es ist so lange noch nicht her, daß hier die älteren Herren der besseren Stände, verwöhnt wie sie waren, leinene Unterkleider trugen und das Haar auf dem Kopfe mit der goldenen Cikade auf steckten. Bei unseren ionischen Vettern haben sich die älteren Leute noch länger so getragen. Die heutige schlichte Tracht ist erst bei den Lakedämoniern aufgekommen, wo sich die Lebens weise der Reichen dem Zuscknitt der Gesamtheit überhaupt am meisten angepaßt hat. Bei ihnen wurde es auch zuerst Sitte, sich beim Turnen nackt auszuziehen und vor aller Augen den bloßen Leib mit Ä einzureiben. Auch bei den olympischen Spielen traten die Wettkämpfer früher mit einem Schamgürtel auf, und erst vor wenigen Jahren ist das abgekommen. Wo bei den Barbaren, namentlich den Asiaten, heutzutage Faust oder Ringkämpfe gehalten werden, wird immer noch ein solcher Gürtel getragen. So ließe sich auch sonst wohl noch manches anführen, worin die altgriechischen Sitten mit denen der heutigen Barbaren übereinstimmten.