Kitap 1
71
„Solcher Stadt gegenüber, Lakedämonier, verzichtet ihr auf jede aktive Politik und wollt nicht glauben, daß man niemand lieber in Ruhe läßt als einen schlagfertigen Gegner, der selbst niemand zu nahe tritt, aber zeigt, daß er gegebenen falls den Krieg nicht fürchten wird. Ihr möchtet selbst niemand angreifen, aber einen feindlichen Angriff ohne Schaden bestehen können und dabei beidem zugleich gerecht werden. Aber daS wird euch schwerlich gelingen, selbst wenn eure Herren Nachbarn ebenso dächten. Augenblicklich sind, wie schon gesagt, eure Ein richtungen ihnen gegenüber völlig veraltet. Wie in technischen Betrieben, so läuft man mit den neuesten Erfindungen anderen eben überall den Rang ab. In Zeiten politischen Stillebens hat es ja viel für sich, an den bestehenden Einrichtungen nicht zu rütteln; sieht man sich aber dann mit einmal vor eine Fülle neuer Aufgaben gestellt, so wird es unvermeidlich, hie und da die bessernde Hand anzulegen. Darum ist es auch bei den rührigen Athenern weit mehr zu Neuerungen gekommen als bei euch. Laßt es also endlich mal mit eurem Zuwarten genug sein und kommt euren Freunden, namentlich, wie ihr es ver sprochen habt, Potidäa zu Hilfe. Fallt unverzüglich nach Attika ein, um nicht eure Freunde und Stammesgenossen ihren ärgsten Feinden preiszugeben und uns alle zu nötigen, uns aus Ver zweiflung nach neuen Bundesgenossen umzusehen. Weder in den Augen der Götter unseres Bundes noch nach dem Urteil einsichtiger Menschen würden wir damit ein Unrecht tun. Denn nicht wer sich in der Not nach neuer Hilfe umsieht, sondern wer seinen Bundesgenossen in der Not im Stich läßt, ist der Bundbrüchige. Wollt ihr uns helfen, so bleiben wir; denn dann wäre es gegen unser Gewissen, die Farbe zu wechseln, würden wir doch auch niemand finden, mit dem wir lieber gingen als mit euch. Das also überlegt euch und hütet euch, den Peloponnes unter eurer Herrschaft schwächer werden zu lassen, als ihr ihn von euren Vätern überkommen habt."