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Vierzehn Jahre hatte der nach Euböa's Eroberung abge- «45 schlossene dreißigjährige Friede zu Kraft bestanden, im fünfzehnten^ Jahre aber, — .im achtundvierzigsten der Priesterschaft der Chrysis 43l in Argos, da Aenesias das Ephorat in Sparta führte^), und der Chr. Archont Pythodoros in Athen noch zwei Monate Amtszeit übrig hatte, nach der Schlacht bei Potidäa im sechsten Monat, — zu Frühlings Anfang geschah es, daß drei Hundert und etliche^) Thebanische Männer unter Führung der Böotarchen Pythangelos, des Sohnes des Phylidas, und Tiömporos, des Onetoridas Sohn, zur Zeit 1) Die Kriegszcit eines jeden Jahres betrug acht Monate. Unter Sommer ist bei Thukydides der Frühling und der Herbstanfang mitgerechnet; etwa die Monate April bis Ende'September. 2) Die bürgerliche Zeitrechnung hing bei den Griechen mit den gottesdienstlichen Einrichtungen zusammen, daher in vielen Staaten auch jedesmal das lausende Jahr mit dem Namen eines Priesters oder eines andern Cultus-Beamten bezeichnet wurde, der dann der Eponymos (Namengeber) hieß. So zu Argos die Priesterinnen der Hera, zu Sikyon der Priester des karneischen Apoll, zu Tegea der der Athene Alea u. s. w. In Sparta war der erste der fünf Ephoren, in Athen der erste der neun Archonten der Eponymos. 3) Nach Anderen „vier Monate". Vgl. Krüger, hist. phil. Studien I, S. 219, 221 sf., n. Tisch, Ueber die Mondcyklen S. 76 ff. 4) Vierhundert bei Herod. 7, 233. Thukydides. II. 10 431 v. Chr. des ersten Nachtschlafs bewaffnet in die Böotische Stadt Platäa eindrangen, welche den Athenern verbündet war. Platäensische Bürger, Nauklides nämlich und sein Anhang, hatten sie herbeigerufen und ihnen die Thore geöffnet in der Absicht, die feindlich Gesinnten unter ihren Mitbürgern zu verderben und die Stadt den Thebanern zuzuwenden; denn auf diese Weise dachten sie selbst zur Herrschaft zu gelangen. Durch Eurymachos, des Leontiades Sohn, der unter den Thebanern ein sehr mächtiger Mann war, hatten sie die Sache in's Werk gesetzt. Denn die Thebaner sahen wohl den unvermeidlichen Krieg voraus und woll» ten sich der Stadt Platäa, die sich ihnen immer feindlich gezeigt hatte^), lieber noch zur Friedenszeit und noch ehe der Krieg entschieden aus- 5) In Böotien bestand ein Städtebnnd, an welchem außer Theben die Städte Thespiä, Orchomenos, Tanazra, Haliartos, Koroneia, Lebadeia, vielleicht auch Kopä, Anthedon, Chalia, Onchestos und Chäroneia Theil hatten. Kleinere Orte erscheinen einzelnen dieser Bundesstädte untergeordnet. Das' Wesen des Bundes war Waffengenossenschaft. Die einzelnen Städte stellten Mannschaft, die von den BLotarchen-befehligt wurde. Der Bund hatte auch einen gottesdienstlichen Mittelpunkt in dem bei Koroneia gefeierten Feste der itonischen Athene, welches den Namen Pambootia führte. Mit dessen Abhaltung werden anfangs wohl auch politische Berathungen mit gleichem Stimmrecht siir alle Bundesglieder verbunden gewesen sein, später ober suchte und errang Theben für sich das entschiedene Uebergeivicht und die Führung des Bundes (Hegemonie). Um dieser nicht auch zu unterliegen, schloß sich das in der Mehrzahl seiner Bürger demolratisch gesinnte Platäa an Athen an, während eine oligarchische Partei mit Hülfe der in Theben herrshcenden Gleichgesinnten die Demokraten bei guter Gelegenheit zu unterdrücken dachte. In den Perserkriegen standen die thebanischen Gewalthaber aus Seiten der Perser, die Platäer kämpften tapfer und aufopfernd für die griechische Sache. Durch dieie Theilnahme für die Landesfeinde hatte Theben die Hegemonie verloren, was also ein Gewinn für die Athener war, und eben deshalb den Spartanern sehr unlieb. Diese suchten darum die thebcnnsche Hegemonie über ganz Böotien wieder herzustellen, und das wäre ihnen auch durch den Sieg über die Athener bei Ta nagra (457 v. Chr.) gelungen, hätten diese nicht 62 Tage später ihre Niederlage durch den Sieg bei Oexophyton wieder gut gemacht, der Phokis, Lokris und Böotien in ihre Hände gab. Diese Vortheile verloren sie aber wieder durch die Niederlage, welche ihnen ein Heer verbannter böotischer Oligarcheu bei Koroneia beibrachte (445 v. Chr.). Nun siel auch Megara von ihnen ab, wodurch also den Peloponnesiern der Weg nach Attika geöffnet wurde, und dieser Umstand, sowie der Wunsch, wenigstens Euböa sich zu erhalten, veranlaßten den Perikles, den oben erwähnten Frieden des Jahres 4 45 mit den Peloponnesiern abzuschließen. Damit kam in Böotien die oligarchisch-thebanische Partei wieder an das Ruder, und diese suchte sich nun beim Ausbrnche des Krieges des athensrenndlichen Platäa zu bemächtigen. bräche, im Voraus verischern, und da Wachen nicht ausgestellt waren, 431v. Chr. kamen sie auch um so leichter hinein. Sie faßten aus dem Marktplatz Posto, gaben aber denen nicht nach, welche sie herbeigerufen hatten und nun verlangten, man solle sich gleich an? Werk machen und die Feinde in ihren Häusern überfallen, sondern beschlossen, durch den Herold zweckmäßige Aufforderungen ergehen zu lassen und die Stadt lieber auf freundschaftlichem Weg durch Vergleich zu gewinnen. Es verkündigte nun der Herold, wer nach väterlicher Weise aller Böotier an ihrem Bund Theil haben wolle, der möge bewaffnet zu ihnen treten. Auf diese Weise, glaubten sie, werde die Stadt leichter zu ihnen übergehen.