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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 2

87 „Wenn sich wegen der früheren Seeschlacht, ihr Peloponnesier, Einer von euch vor der bevorstehenden fürchtet, so hat er darin gar keinen gerechten Grund zur Furcht. Denn damals war unsere Rüstung mangelhaft, wie ihr wißt, und wir segelten nicht in Erwartung einer Seeschlacht, sondern vielmehr eines Kampfes auf dem Lande. Zufällig waren uns auch einige Glücksumstände nugünstig, und auch unsere Erfahrung reichte wohl für den Seekampf nicht aus. Von unserer Seite ist also keineswegs Feigheit an der Niederlage Schuld gewesen, und es wäre Ungerechtigkeit gegen uns selbst, wenn unser Muth, der doch keineswegs vor der Tapferkeit der Feinde gewichen ist, sondern noch viele Rechtsertigungsgründe für sich hat, sich durch das eingetretene Unglück würde Herabdrücken lasten. Vielmehr muß man glauben, daß derMensch durch die Verhängnisse des Schicksals wohl einmal unglücklich sein kann, aber deshalb, was seinen Muth angeht, doch nach wie vor mit Recht für einen tapfern Mann gehalten werde, und daß Einer bei tapferer Gesinnung aus seiner Unerfahrenheit keinen 429 v. Chr. Entschuldigungsgrund der Verzagtheit machen dürfe. Ihr aber steht nicht einmal wegen mangelnder Erfahrung so weit hinter jenen zurück, als ihr sie an Kühnheit übertrefft. Die Erfahrung jener, die ihr so sehr fürchtet, wird nur, wenn sie mit Tapferkeit verbunden ist, Beisnnung genug haben, um in der Gefahr das anzuwenden, was sie gelernt hat. Ohne Muth aber ist keine Kunst m der Gefahr etwas nütze; denn Furcht benimmt die Besinnung, und Geschicklichkeit ohne Tapferkeit vermag Nichts. Setzet also der größeren Erfahrung jener euerseits kühneren Muth entgegen, und eurer Furcht wegen der früheren Niederlage den Gedanken, daß wir damals ungerüstet waren. Auch kommt euch die größere Schiffszahl zu Statten, und daß ihr an der eigenen Küste in der Nähe eurer Schwerbewaffneten die Seeschlacht liefert. Meist gehört ja der Sieg der Mehrzahl und den besser Gerüsteten. So könnten wir also auch nicht einen einzigen Grund finden, weshalb wir wahrscheinlicher Weise den Kürzeren ziehen sollten. Was wir früher schlecht gemacht haben, das kommt uns jetzt als erworbene Belehrung zu Statten. So seid also gutes Muthes, ihr Steuermänner und Schiffleute! Thue Jeder das Seine und weiche nicht von dem Platze, wohin er gestellt worden ist. Wir aber werden nicht schlechter als die vor uns Anführer gewesen sind, den Angriff leiten und werden Keinem einen Vorwand lassen, sich feig zu zeigen. Wenn es aber dennoch Einer thun wollte, so wird ihn die geziemende Strafe treffen; die Braven aber werden mit dem verdienten Lohn der Tapferkeit geehrt werden."

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