Thesauros Edebiyat Tarih Ἱστορίαι

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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 2

89 „Weil ich sehe, ihr Soldaten, daß ihr euch vor der Menge der Gegner fürchtet, so habe ich euch zusammengerufen; denn ich bin der Meinung, daß, was nicht furchtbar sei, auch nicht gefürchtet werden darf. Jene haben, weil sie zuerst von uns besiegt worden sind, und weil sie sich selbst nicht zutrauen, uns gewahcsen zu sein, diese große Zahl von Schiffen ausgerüstet, denn sie wollen nicht als Gleicher, dem Gleichen gegenüberstehen; und wenn sie scheinbar im Vertrauen daraus gegen uns heranrücken, als ob der Muth überhaupt ihnen angeboren und natürlich sei, so hat ihr Muth keine andere Quelle, als weil sie wegen ihrer Erfahrung im Landkriege in demselben meist glücklich sind, und darum glauben sie, daß sie auch zur See dasselbe leisten werden. Wenn sie aber auch in jenem voran sind, so dürfen wir doch jetzt mit Fug den Vortheil aus unserer Seite suchen; denn an Muth übertreffen sie uns nicht, sondern weil wir beide, die einen in diesem, die andern in jenem erfahrener sind, sind wir beide auch zuversichtsvoller. Auch haben die Lakedümonier, welche bei der Führung ihrer Bundesgenossen nur ihren eigenen Ruhm berücksichtigen, . die meisten von ihnen nur wider ihren Willen in diese Gefahr geführt, denn einmal so tüchtig geschlagen, würden diese nie wieder eine zweite Seeschlacht gewagt haben. Fürchtet also ihre Kühnheit nicht. Eine viel größere Fnrcht flößet ihr jenen ein, und auch mit mehr Grund, denn ihr habt zuerst gesiegt, und sie können sich nicht vorstellen, daß ihr ihnen die Stirne bieten werdet ohne die feste Zuversicht, etwas Hervorragendes zu leisten. Denn die Meisten, wenn sie dem Gegner gewachsen sind, wie diese hier, gehen mehr im Vertrauen auf ihre Macht als auf ihren Muth dem Feinde entgegen; wer dies aber mit viel geringerer Macht thut und ohne gezwungen zu sein, der wagt die Gefahr mit großer Mutheszuversicht. Das überlegen diese wohl und fürchten uns mehr wegen des unerwarteten Auftretens als wegen der verhältnis;müßigen Rüstung. Schon manches Heer ist aus Unersahrenheit einem weniger zahlreichen unterlegen, manches auch aus Feigheit. Uns dahier fällt keines von beiden zur Last. Ich bin aber gar nicht gewillt, die Schlacht innerhalb des Meerbusens zuliefern, und werde auch nicht hineinsegeln, denn ich'sehe ein, daß es einer Ueberzahl ungeübter 429 v. Chr. Schiffe gegenüber kein Vortheil für wenige, aber geübte und besser' segelnde Schiffe ist, auf engem Raum zu kämpfen. Denn man könnte weder, wie es nöthig ist, zum Anlauf mit dem Schiffsschnabel kommen, da man wegen der weiten Entfernung nicht das gehörige Absehen auf den Feind hätte, noch auch sich zurückziehen, wenn man in die Enge käme. Die feindliche Linie zu durchbrechen wäre auch nicht möglich, und ebensowenig die Wendungen, worin ja der Vortheil guter Segler besteht, sondern man müßte nothgedrungcn aus der Seeschlacht ein Fußtruppengefecht machen lassen, und dann wäre die Mehrzahl der Schiffe im Vortheil. Dem angemessen werde ich also nach Möglichkeit die nöthigen Vorkehrungen treffen. Ihr aber haltet euch auf den Schiffen in bester Ordnung und thut genau, was euch befohlen wird, zumal der Angriff aus der Nähe geschieht, und während des Kampfes selbst haltet auf's Aeußerste ans Ordnung und Stille. Beides ist auch sonst im Kriege von Nutzen, bei einem Seekampf aber ganz besonders. Nun also wehrt euch gegen diese, wie es eurer früheren Thaten würdig ist. Um große Dinge dreht sich der Kampf: es handelt sich darum, ob ihr die Hoffnung der Peloponnesier auf eine Seemacht zu Schanden machen, oder den Athenern die Furcht um ihre Meeresherrschaft näher rücken werdet. Nochmals erinnere ich euch, daß ihr die Mehrzahl dieser eurer Gegner schon besiegt habt; der Muth geschlagener Männer aber will sich gegenüber denselben Gefahren nicht mehr zu gleicher Höhe heben."

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