Kitap 3
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„Schon oft habe ich auch bei andern Gelegenheiten einen demokratishcen Staat als unfähig erkannt, über Andere zu herrschen, nie aber deutlicher als heute, wo euch der Mytilenäer wegen Reue ergriffen hat. Weil ihr euch nämlich im täglichen Verkehr unter einander selbst furcht- und arglos benehmt ^), so zeigt ihr euch euren Bundesgenossen gegenüber ebenso, und wenn ihr hierin irgend eine Thorheit begeht, sei es nun, daß ihr euch von ihnen beschwatzen laßt, oder daß ihr eurem eigenen Mitleiden den Gesallen thut, so bedenkt ihr nicht, daß eure Weichmüthigleit weder für euch selbst gefahrlos sei, noch euch den Dank der Bundesgenossen erwerben könne. Ihr druck auf sie machen, wie heutzutage die Hebung der französischen Flotte aus die Engländer. Diese können ebensowenig einen Nebenbuhler zur See dulden, wie die Athener eS konnten. Weil es sich hierbei um Sein oder Nichtsein handelt, so heutzutage die Anstrengungen der Engländer, und damals die furchtbare Erbitterung der Athener gegen die Mytilenäer, die als die nächste Veranlassung erschienen. 2') Hierauf thaten sich die Athener viel zu Gute. Vergl. II. 37, wo ihnen PerikleS dieselbe Schmeichelei sagt. bedenkt nicht, daß eure Herrschaft eine Gewaltherrschaft ist, daß eure 427 v. Chr. Unterthanen Ränke gegen euch schmieden und euer Joch widerwillig tragen. Sie werden euch nicht etwa in dem Maße lieber gehorchen, als ihr euch zu eurem eigenen Schaden ihnen gefällig erzeiget, sondern in dem Maße, als ihr eure Herrschaft über sie mehr ans eure Uebermacht, als auf ihr Wohlwollen gründet. Das Unglückseligste aber ist es, wenn Nichts von dem, was wir einmal beschlossen haben, in Kraft verbleibt, und wenn wir nicht lernen wollen, daß ein Staat, der zwar schlechtere, aber unwandelbare Gesetze beobachtet, mächtiger ist, als wenn er bei vortrefflichen Gesetzen sie nicht zur Ausführung bringt; daß geringer Verstand bei Selbstbeschcidung nützlicher wirkt als große Geschicklichkeit bei zügellosem Wankelmuth, und daß ungebildetere Leute mit ihrem Gemeinwesen meist besser zurechtkommen als gebildetere 22). Denn diese wollen weiser ershceinen als die Gesetze und immer noch Klügeres missen als das, was zum Besten des Gemeinwesens bereits gesagt worden ist, als ob es keine trefflichere Gelegenheit gäbe, ihr Licht leuchten zu lassen, und grade durch solches Benehmen bringen sie die Staaten in's Unglück. Die Andern aber in ihrem Mißtrauen in die eigene Einsicht bescheiden sich, nicht so weise zu sein wie die Gesetze und unfähig, an der Rede eines Mannes Ausstellungen zu machen, der Treffliches vorgebracht hat, und grade weil sie mehr unparteiische Richter als Parteikämpfer sind, so treffen sie meist das Richtige. So müssen auch wir es machen und nicht im Eifer, gegen Andere unsere Redetüchtigkeit und unsern Scharfsinn geltend zu machen, uns hinreißen lassen, gegen die eigene Ueberlegung euch zu irgend etwas zu bereden." '