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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 3

40 „Wir dürfen ihnen also weder Hoffnung machen, daß sie durch Ueberredung, noch auch, daß sie durch Geld sich Verzeihung erwirken werden und Nachsicht, als hätten sie nur "menschlich gefehlt. Denn es war ihr eigener Wille, uns zu schaden, und mit Wissen haben sie zu unserem Verderben gearbeitet. Verzeihung verdient aber nur, was ohne böse Absicht geschah. Was ich also das erste Mal verfochten habe, dafür stehe ich auch jetzt ein und sage, daß ihr den bereits gefaßten Beschluß nicht abändern dürft, und daß euch die drei Dinge, die für jede Herrschaft das Gefährlichste sind, Erbarmung, Reiz der Rede und glimpfliche Nachsicht, uicht zu einem Mißgriff verleiten sollen. Mit mitleidigem Erbarmen soll man die Gesinnung Gleichfühlender belohnen und es nicht gegen die verschwenden, die kein Gegenerbarmen fühlen, sondern nothwendig immer uns feindselig sein werden. Und die Redner, die euch durchaus mit schönen Worten eine Freude machen wollen, mögen sich bei minder erheblichen Dingen eine Gelegenheit zum Wettkampf suchen, und nicht da, wo die Stadt einen kurzen Ohrenkitzel schwer wird büßen müssen, während ihnen selbst ihre schönen Worte schöne Summen einbringen^). Glimps- 27) Wenn hier Kleon von Bestechung der Gegner redet, so kehrt ArlstophaneZ in den Rittern dieselbe Anklage der Bestechung in derselben Sache der Mytilenäer- gegen Aleon. Dort sagt der Wursthändler: So abscheulich, wie du, hat am Volk von Athen Sich noch Keiner versündigt; Belege sind da, Und so wahr ich leb'; ich beweise dir gleich, Daß mit vierzig Minen und mehr du dich ließ'st Von den Mytilenäern bestechen! An andern Stellen Heißt'S: Von Potidäa, läugne mir's, bekamst du zehn Talente! und: WaS iss'st du gern? — Pasteten, galt-gefüllt. 427 v. Chr. liche Nachsicht aber ist mehr gegenüber Solchen am Platz, die sich uns auch in der Zukunft voraussichtlich ergeben bezeigen werden, als gegen solche, die nichts destoweniger unsere Freunde bleiben. Kurz, wenn ihr mir folgt, so handelt ihr gerecht gegen die Mytilenäer und zugleich zu eurem Vortheil; beschließt ihr aber anders, so werdet ihr euch nicht nur den Dank Jener nicht verdienen, sondern auch euch selbst das Verdammungsurtheil sprechen. Denn thaten jene Recht, abzufallen, so käme es euch ja nicht zu, die Herrschaft zu führen. Wollt ihr diese aber, auch wenn sie ungebührlich ist, trotzdem festhalten, so müßt ihr natürlich entweder euren Vortheil wahren und jene bestrafen, oder eure Herrschaft niederlegen und in Frieden und Ruhe die Biedermänner spielen. Entschließt euch also, das euch Zugedachte als Wiedervergeltung gegen sie zu wenden, und zeigt euch, an denen die Gefahr vorübergegangen ist, nicht weniger empfindlich als die, die euch so Schlimmes zugedacht. Bedenkt doch, wie sie ganz gewiß gegen euch verfahren hätten, wenn sie Sieger geblieben wären, zumal sie selbst mit dem Unrecht begonnen haben. Denn wer ohne gerechte Ursache einem Andern Böses anthut, der ruht erst mit dessen Vernichtung, weil er wohl sieht, welche Gefahr ihm droht, Die später bei PyloS gemachten spartanischen Gefangenen hebt er auf, heißt es, um bei der Auslösung einen Profit für sich zu machen; „Äafsendieb" und „krummfingerig" wird er auch genannt. Bestechlich und unehrlich war er also jedenfalls; doch wäre das Stück mit den Mytilenäern ein sehr starkes: er müßte das Geld bereits in der Tasche gehabt und sich gedacht haben, wenn Alle todt seien, könne kein Kläger auftreten. Dergleichen ist allerdings schon vorgekommen. — Dem Volke zu Gefallen reden und handeln konnte er auch, und wohl besser als diejenigen, denen er es hier zum Vorwurf machte. Aristophanes, Ritter: Er merkt sich gleich des DemoS (Volk) schwache Seiten, Der Hund von einem paphlagonischen Gerber! Duckt sich vor ihm; mit Lecken, Schwänzeln, Schmeicheln Und Lederstückchen fängt er ihn und spricht: „Geh baden, lieber Demos; wohl verdient „Als Richter hast du diese drei Obolen; lGcshcwornen-Sold, den Kleon von 2 auf 3 Obolen erhöht hatteZ „Komm, thu' dir gütlich, iß und trink! Soll ich „Den Imbiß bringen?" — Und dann rapst er weg, Was wir gekocht, u. s. w. so lange der Feind noch auf den Füßen steht, und mit Recht, denn 427 v. Chr. wer nur aus Uebermuth unnöthigerweise mißhandelt wurde, ist, wenn er der Gefahr entgangen ist, viel erbitterter als der Feind gegenüber dem offenen Feinde. Werdet also nicht Verräther an euch selbst! Bringt euch die Vorstellung möglichst nahe, was ihr hättet zu leiden gehabt, und wie ihr eure letzten Kräfte aufgeboten haben würdet, ihrer Meister zu werden. Uebt nun die Wiedervergeltung, laßt euch nicht von diesem Augenblicke weich machen, und vergeßt nichts wie nahe das Unheil über euren Häuptern schwebte. Züchtiget diese nach Verdienst und stellt sie den andern Bundesgenossen als deutliches Beispiel vor Augen, daß, wer immer abfällt, den Tod leiden muß. Wissen sie das einmal, so werdet ihr euch nicht mehr so oft mit den eigenen Bundesgenossen herumshclagen müssen, während eure Feinde gute Ruhe haben" A). 28) Diese Rede charakterisirt allerdings den Demagogen Kleon einigermaßen, doch hat die Feder des Thukydides zu viel Feinheit einfließen lassen, so daß die Fassung der Gedanken kaum für den Mann paßt, der auf der Rednerbllhne polterte, die Kleider aufriß, sich auf den Schenkel schlug und während des Redens hin und herlief (Plutarch. Nik.), oder für „den Brüllochsen mit der Donnerstimme", wie ihn Aristophanes nennt. Doch enthält die Rede Anhaltspunkte genug, den tückischen, unverschämten, seiner eigenen Schlechtigkeit sich bewußten Volks- betrüger erkennen zu lassen, dessen entschlossene Bosheit Alles fürchtet. Aristophanes wagte Vieles, als er ihn in den (verlorenen) Babyloniern und in den Rittern dem Gelächter preisgab. Kein MaSkenmacher wollte zur Aufführung der Ritter eine Kleons-MaSke für den Schauspieler, der ihn darstellen sollte, verfertigen: — Sein Kopf ist nicht der feine, Kein MaSkenmacher wollt' ihn porträtiren, oAus Angst vor ihm — Der Dichter selbst spielte ohne Maske die Rolle, und rechnete sich feine Kühnheit selbst hoch an. In den Wolken rühmt er sich, daß er dem „großmächtigsten Kleon", dem, „bei dessen Anblick Sonne und Mond sich verfinsterte," muthig einen „Bauchtritt" gegeben habe. Auch später noch, und sogar nach seinem Tode ließ er ihn nicht ruhen. Hier mögen noch Worte des ChorS aus den Rittern stehen: O du verworfener, Scheußlicher Schreier! Sind Voll deines UebermuthS Länder und Meere nicht? Thukydides. III. 15

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