Kitap 4
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Wegen des Verlustes von Amphipolis geriethen die Athener in große Furcht, zumal ihnen auch die Stadt durch Lieferung von Schiffsbauholz und Steuerzahlung nützlich gewesen war, und weil die Lakedämonier ^bis jetzig zwar im Geleite der Thessaler gegen ihre Bundesgenossen bis an den Strymonfluß vorbringen konnten, aber, ohne den Brückenübergang in ihrer Gewalt zu haben, nicht weiter zu kommen vermochten, weil sich von oben her längs einer großen Strecke des Flusses ein bedeutender Sumpf hindehnteund die Athener gegen Eion hin Kriegsschiffe zum Schutze aufgestellt hatten; jetzt aber, glaubten sie, sei jenen die Sache leicht gemacht. Auch fürchteten sie den Abfall der Bundesgenossen, denn Brasidas zeigte sich sowohl im Uebrigen gemäßigt und erklärte auch in seinen Reden überall, daß er ausgeschickt sei, um Hellas frei zu machen; und als die den Athenern unterthänigen Städte von der Wegnahme von Amphipolis hörten und welche Bedingungen jener anbiete und wie mild er sich zeige, so wurden sie sehr geneigt, ihre Lage zu ändern und schickten heimlich Herolde an jenen, mit der Aufforderung, bei ihnen zu erscheinen, und jede wollte zum Abfall die erste sein. Und sie glaubten dieß auch ohne Gefährde thun zu können; so sehr täuschten sie sich über die Macht der Athener, die sich hinterher viel größer zeigte; aber die Menschen beurtheilen ja die Dinge mehr nach ihren unklaren Wünschen, als mit untrüglicher Voraussicht, und sind gewohnt, in Betreff dessen, was sie wünshcen, sich ganz und gar einer blinden Hoffnung hinzugeben, was sie aber nicht wünschen, mit willkürlicher Verstandesdeutung abzuweisen. Auch weil die Athener kürzlich in Böotien geschlagen worden waren, und Brasidas zwar Verführerisches, aber nicht der Wahrheit gemäß vorbrachte, als ob nämlich bei Nisäa, wo die Athener sich nicht zu schlagen wagten, er mit seinem Heere allein ihnen so furchtbar gewesen wäre — auch deßhalb also faßten die Städte Muth und ver- 49) Der See Ktrkinitis. trauten, daß niemals Jemand zur Ahndung gegen sie ziehen werde. 424 v. Chr. Der Hauptgrund war aber, weil es ihnen für den Augenblick erwunjckt war, und weil sieden ersten guten Eifer der Lakedämonier zu erproben dachten; dafür waren sie bereit, sich in jeder Weise Gefahren zu unterziehen. Als die Athener dieß merkten, schickten sie, so weit es sich in der Geschwindigkeit und der schlechten Jahreszeit wegen thun ließ, Besatzungen in die Städte; Brasidas aber sandte nach Lakedämon und verlangte dringend, ihm noch Truppen zuzuschicken, und traf selbst am Strymon Vorkehrungen zum Bau von Kriegsschiffen. Die Lakedämonier zeigten sich ihm jedoch nickt willfährig, theils weil die ersten Männer unter ihnen auf jenen neidisch waren, theils auch, weil sie mehr daran dachten, ihre Leute oon der Insel (Sphakteria) zurückzuerhalten und dem Krieg ein Ende zu machen.