Kitap 4
48
Auf diese Weise hatten sie schon gegen sechzig hinaus geführt und hingerichtet, ohne daß die Leute in dem Gebäude davon wußten; denn sie glaubten, sie würden nur abgeführt, um anderSwo untergebracht zu werden. Als man es ihnen dann aber hinterbrachte und sie die Wahrheit erfuhren, riefen sie die Athener an und baten, wenn es denn sein solle, so möchten sie ihnen wenigstens selbst den GarauS machen. Aus dem Gebäude gingen sie nicht und würden auch, so viel an ihnen sei, niemand hereinlassen. Die Kerkyräer gaben sich auch nicht lange damit ab, die Türen zu sprengen, sondern stiegen auf daS Dach, deckten eS ab, warfen ihnen Ziegel auf die Köpfe und beschossen sie von oben mit Pfeilen. Sie suchten sich dagegen so gut wie möglich zu schützen, die meisten aber nahmen sich gleich selbst das Leben, stießen sich die Pfeile, die man auf sie herabgeschossen, in die Kehle oder erhängten sich an Gurten aus einigen dort befindlichen Bettstellen oder an Schnüren, die sie aus ihren Kleidern gedreht hatten. Fast die ganze Nacht, die darüber hereingebrochen war, dauerte das Morden. Einer nach dem anderen brachte sich um oder wurde von oben getroffen, bis sie alle tot waren. Als es Tag geworden, warfen die Kerkyräer die Leichen über Kreuz auf Wagen und fuhren sie aus der Stadt. Die Weiber aber, welche ihnen in der Burg in die Hände gefallen waren, ver kauften sie in die Sklaverei. Auf diese Weise wurden die Kerkyräer vom Berge durch die Volkspartei abgetan, und die langen Parteikämpfe hatten damit, wenigstens für die Dauer dieses Krieges, ein Ende; denn was von der Gegenpartei noch übrig war, hatte nichts mehr zu bedeuten. Die Athener aber fuhren mit ihren Schiffen weiter nach Sizilien, wohin sie ja von vornherein bestimmt waren, um sich dort an den Kämpfen ihrer Bundesgenossen zu beteiligen.