Kitap 4
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„Es hätte, ihr Böotischen Männer, keinem unserer Feldherrn auch nur der Gedanke kommen dürfen, daß wir uns mit den Athenern, wenn wir sie nicht mehr auf Böotifchem Grund und Boden anträfen, nicht in eine Schlacht einlassen sollten. Denn sie sind aus dem Gränzland herübergekommen, haben auf unserem Gebiet eine Verschanzung erbaut und schicken sich an, Böotien zu verheeren. Sie sind doch wohl also unsere Feinde, an welchem Orte sie auch von uns getroffen werden, und woher sie auch gekommen sein mögen, um sich als Feinde zu betragen. Wenn aber jetzt Einer dafür halten sollte, daß jene Ansicht größere Sicherheit geweihre, so ändere er nur seine Meinung! Denn die Klugheit läßt bei denen, welchen ein Anderer zu Leibe geht, in Betreff des eigenen Landes nicht solche ängstliche Ueberlegung zu, wie bei demjenigen, der, im Besitze des eigenen Grundes und Bodens, von Habgier getrieben, einen Andern aus freien Stücken angreist. Es ist aber von euren Vätern ererbte Weise, das Heer eines fremden Angreifers, sei es nun aus dem eigenen, oder auf fremdem Boden, wieder anzugreifen, und das muß den Athenern gegenüber, die dazu noch unsere Gränznachbarn sind, am allermeisten geschehen. Denn darauf, daß man seinen Nachbarn gewachsen ist, beruht sür Alle die Freiheit; und wie sollte man es gegenüber solchen, die nicht nur ihre Nachbarn, sondern sogar weit Abgelegene zu knechten trachten, im Kampfe nicht auf's Aeußerste ankommen lassen! Als warnendes Beispiel haben wir das vor uns liegende Euböa, wie es da und auch im größten Theil des übrigen Hellas aussieht. Wir müssen einsehen, daß, während anderwärts Nachbarn um ihre Gränzgebiete sich Schlachten liefern, bei uns, wenn wir erst besiegt sind, für unser ganzes Land unwiderruflich Eine Gränze gesteckt ist; denn sind sie erst eingedrungen, so werden sie uns mit Gewalt Alles abnehmen. So viel größer ist die Gefahr, als anderwärts, die uns aus solcher Nachbarschaft droht! Wer, wie die Athener jetzt, im pochenden Ver- 424 v. Chr. trauen auf seine Macht Andere angreift, verpflegt denjenigen, der sich nicht viel rührt und sich nur aus eigenem Boden zur Wehr setzt, um so ungescheuter mit Krieg zu überziehen, dagegen dem, der ihm über seine eigenen Gränzen entgegenrückt und, wenn die Gelegenheit es gibt, selbst angriffsweise verfährt, weniger kräftig zu widerstehen. Einen Beweis hievon haben wir grade an den Athenern. Denn dadurch, daß wir sie bei Koronea angegriffen und besiegt haben, damals, als sie bei unserer inneren Entzweiung die Herrn in unserem Lande spielten, haben wir dem böotischen Gebiete bis auf diese Tage Ruhe vor ihnen verschafft. In der Erinnerung daran sollen wir Aelteren unsern eigenen früheren Thaten wieder gleichkommen, die Jüngeren aber, als Söhne der Väter, die damals sich als Tapfere gezeigt, sollen streben, den Tugenden ihres eigenen Blutes keine Schande zu machen. Vertrauen müssen wir auch, daß der Gott auf unserer Seite stehen werde, dessen Heiligthum jene gegen göttliches Recht befestigt haben und wie in ihrem Eigenthume darin schalten, — vertrauen auch auf die heiligen Opferzeichen, die uns Glück verheißen, und so diese angreifen und ihnen zeigen, daß, wonach sie streben, sie sich anderwärts holen sollen, bei Solchen, die nicht zu fechten wissen; daß sie aber bei Männern, denen es ererbte Pflicht ist, für die Freiheit ihres eigenen Landes immer im Kampfe einzustehen, fremdes aber nicht mit Unrecht zu knechten, nicht ohne Kampf davonkommen."