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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 6

34 „Also nur Mut! Wir müssen nicht nur hier zum Kriege rütsen, sondern auch zu den Sikelern senden, um die, welche schon zu uns halten, noch fester an uns zu knüpfen, und die anderen womöglich zu einem Bündnis zu bewegen, auch an die übrigen Mischen Städte Gesandte schicken, um ihnen über die auch ihnen drohende Gefahr die Augen zu öffnen; ebenso nach Italien, damit man sich dort zu Bündnissen mit uns versteht oder doch den Athenern die Häfen verschließt. Ich meine, wir sollten auch nach Karthago schicken. Denn die Karthager müssen darauf gefaßt sein und leben in beständiger Furcht, daß die Athener eines schönen Tags vor ihrer Stadt erscheinen. Vielleicht sagen sie sich, daß es ihnen übel be­ kommen könnte, wenn sie uns bei dieser Gelegenheit im Stich ließen, und entschließen sich, uns irgendwie, sei es offen oder wenigstens unterderhand, zu unterstützen. Dazu sind die Karthager, wenn sie wollen, augenblicklich mehr als andere imstande. Denn sie haben Gold und Silber in Hülle und Fülle, was ja im Kriege wie überall so wesentlich mitspricht. Auch nach Lakedämon und Korinth müssen wir schicken und bitten, uns nicht nur hier schleunigst zu Hilfe zu kommen, sondern auch dort die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen. Was ich aber zurzeit für das Wichtigste halte, will ich euch doch auch sagen, obgleich ich dabei, ruhselig, wie ihr nun einmal seid, wohl am wenigsten schon jetzt auf eure Zustim­ mung rechnen kann. Wenn wir sizilischen Griechen sämtlich oder doch möglichst viele mit uns alles, was wir an Schiffen haben, flott machen und auf zwei Monate mit Lebensmitteln versehen wollten und damit den Athenern bis nach Tarent oder an das Japygische Vorgebirge entgegenführen, so würden wir ihnen zeigen, daß es mit ihrem sizilischen Kriege nichts ist, ehe sie nicht glücklich über das Ionische Meer sind. Da­ durch würden wir sie kopfscheu machen und ihnen zu Gemüte führen, daß wir auf dem Posten sind und uns dabei auf Freundesland stützen können; denn Tarent wird uns auf­ nehmen. Während sie mit Sack und Pack die weite Fahrt über See machen müssen, wobei sie auf die Dauer die Ord­ nung schwerlich aufrechterhalten könnten, hätten wir die beste Gelegenheit, ihre langsam und bei kleinem herankommende Flotte anzugreifen. Auch wenn sie ihre Kriegsschiffe erleich­ terten, sich aufs Rudern legten und damit geschlossen gegen uns vorgingen, würden wir es nur mit überanstrengten Leuten zu tun haben, und wenn uns auch daS bedenklich schiene, uns immer nach Tarent zurückziehen können. Sie aber würden, wollten sie, um eine Schlacht zu liefen, ihre Fahrt ohne reichliche Lebensmittel fortsetzen, an Orten, wo es nichts zu leben gäbe, Hunger leiden oder, wenn sie dort liegen blieben, entweder von uns eingeschlossen werden oder, wenn sie ver­ suchen sollten, durchzubrechen, ihre Transportflotte im Stich lassen müssen und in Ermangelung von Städten, wo sie mit Sicherheit auf Verpflegung rechnen könnten, ihren Plan auf­ geben. Mit Rücksicht darauf, glaube ich, werden sie, wenn wir ihnen den Weg versperren, gar nicht von Kerkyra auf­ brechen, sondern sich die Sache erst überlegen und Nachrichten einziehen, wie stark und wo wir sind, und dadurch bis in den Winter aufgehalten werden oder, verblüfft durch die uner­ wartete Wendung der Dinge, die Fahrt überhaupt aufgeben, zumal, wie ich höre, ihr erfahrenster Feldherr den Oberbefehl nur ungern übernommen hat und sehr geneigt sein wird, sich hinter jedes ernste Hindernis von unserer Seite zurückzuziehen. Und so viel weiß ich, das Gerücht würde daraus noch mehr machen. Die Stimmung der Menschen aber richtet sich nach dem, was sie hören. Man fürchtet niemand mehr als einen Gegner, der zuerst den Degen zieht oder wenigstens keinen Zweifel darüber läßt, daß er bereit ist, dem Angreifer die Spitze zu bieten, weil man überzeugt ist, daß auch er seinen Mann stehen wird. So wird es jetzt wahrscheinlich auch den Athenern gehen. Sie kommen hierher in dem Glauben, wir würden uns nicht wehren, und haben guten Grund, so gering­ schätzig von uns zu denken, weil wir den Lakedämoniern nicht geholfen haben, sie niederzukämpfen. Wenn sie nun sehen, daß es uns dazu an Mut nicht fehlt, so wird dies unerwartete Ereignis mehr Eindruck auf sie machen als unsere wirkliche Macht. Folgt also meinem Rat und entschließt euch zu diesem kühnen Schritt, oder wenn das nicht, so richtet euch wenigstens sonst auf den Krieg ein. Davon aber könnt ihr alle über­ zeugt sein, daß mutiges Auftreten der beste Beweis ist, man fürchte den Feind nicht; und daß auch wir am sichersten gehen, wenn wir uns angesichts der kommenden Gefahr beizeiten wappnen, wie wenn der Feind schon vor den Toren wäre. Die Herren Athener wollen uns zu Kleide und sind, wie ich bestimmt weiß, schon unterwegs: sie werden nicht lange auf sich warten lassen."

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