Kitap 6
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„Zwar werde ich bei euch, ebenso wie auch Andere, vielleicht keinen Glauben finden, wenn ich behaupte, daß in der That eine Flotte gegen uns ausgefahren ist, und ich weiß auch, daß die, welche unglaublich Scheinendes sagen oder melden, nicht nur keine Ueberzeugung erwecken, sondern sogar für Thoren gehalten werden. Aber wenn die Stadt in Gefahr ist, werde ich nicht aus Scheu vor einem solchen Vorwurf schweigen, weil ich die Wahrheit weiß und deßhalb überzeugt bin, euch Zuverlässigeres sagen zu können, als ein Anderer. Was euch so wunderbar scheint, ist wahr: die Athener ziehen mit großer Land- und Seemacht gegen euch heran, indem sie ihre Bundesgenossenschaft mit den Egestanern und die Wiederherstellung von Leontini zum Vorwand nehmen, in der That aber aus Begierde nach dem Besitze Siciliens, und vorzüglich nach dem eurer Stadt, im Glauben, leicht alles Andere erobern zu können, wenn sie die erst haben. Da sie nun bald hier sein werden, so seht zu, auf welche Weise ihr mit den vorhandenen Mitteln euch am besten ihrer erwehren könnt, damit ihr nicht wegen Verachtung der Gefahr ungerüstet überrascht werdet und in eurer Ungläubigkeit Alles vernachlässigt. Wer aber jetzt glaubt, der darf darum wegen ihrer Kühnheit und Macht nicht Muth und Besinnung verlieren, denn sie werden nicht im Stande sein, uns mehr Schaden zu thun, als wir im Stande find, ihnen zuzufügen. Auch ist es sogar nicht ohne Nutzen für unS, daß sie mit so großer Macht heranziehen, vielmehr bringt uns dieß den übrigen Sikelioten gegenüber Vortheil, denn um so eher werden diese aus gleicher Furcht uns im Kampfe beistehen. Und wenn wir sie entweder überwältigen, oder doch wenigstens unverrichteter Dinge heimschicken — denn ich fürchte durchaus nicht, daß sie ihre Absichten erreichen werden — so wird uns der Rubm der herrlichsten That zu Theil werden, und daß dem so sein wird, dessen bin ich meinestheilS voller Hoffnung. Denn nur wenige von so großen Feldzügen auf weite Entfernung vom eigenen Lande weg sind gelungen, weder von Seiten der Hellenen, noch auch der Barbaren. Denn sie kommen ja auch nicht in größerer Zahl als die Einwohner dieser Stadt und ihre Gränznachbarn — denn die Alle werden aus Furcht zu uns stehen — 415 v. Chr. und wenn sie aus Mangel an Lebensmitteln im fremden Lande em Unheil trifft, so werden sie gleichwohl uns, den Angegriffenen, einen ruhmvollen Namen zurücklassen, wenn sie auch an ihrem Unglück zum größten Theil selber Schuld sind. Grade so find ja auch eben diese Athener, damals als die Medifche Macht wider alle Berechnung so vielfaches Unheil traf, an Ruhm-gewahcsen, weil es eben hieß, daß der Zug gegen Athen gerichtet war, und ich habe gute Hoffnung, daß uns jetzt das Gleiche zu Theil werde."