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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 6

85 „Einem Selbstherrscher oder einem Staate, der über andere herrscht, ist nichts ungereimt, was vorteilhaft, nichts verwandt, was ihm nicht sicher ist. Deshalb ist er genötigt, je nach Umständen bald Freund, bald Feind zu werden. Und hier gereicht es uns nicht zum Vorteil, wenn wir unsere Freunde schwächen, wohl aber, wenn unsere Feinde durch die Stärke unserer Freunde in Schach gehalten werden. Zum Mißtrauen habt ihr keinen Grund. Denn auch bei unseren dortigen Bundesgenossen halten wir es mit unserer Herrschaft so, wie es für uns bei jedem von ihnen am zuträglichsten ist. Die Chier und Methymner sind unabhängig und stellen Schiffe, die meisten halten wir kürzer und lassen sie Steuern zahlen, wieder andere sind völlig freie Bundesgenossen, obwohl sie auf Inseln wohnen und leicht zu unterwerfen wären, weil ihre Inseln in nächster Nähe des Peloponnes uns sehr gelegen sind. Natür­ lich also werden wir auch hier so verfahren, wie es uns zum Vorteil gereicht und, wie wir euch vorhin schon gesagt, aus Furcht vor den Syrakusern zweckmäßig erscheint. Denn sie wollen euch unter ihre Herrschaft bringen und dadurch, daß sie uns bei euch verdächtigen, auf ihre Seite ziehen, um sich mit Gewalt oder, wenn ihr, falls wir hier unverrichteter Sache wieder abziehen müssen, nur auf euch allein angewiesen seid, selbst zu Herren der ganzen Insel zu machen. Und das kann nicht ausbleiben, wenn ihr zu ihnen übergeht. Denn wir würden mit einer solchen vereinigten Macht schwerlich fertig werden, und euch würden sie, wenn wir nicht mehr da sind, unfehlbar überlegen sein. o

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