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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 6

76 „Nicht deßwegen, ihr Kamarinäer, haben wir zu euch Gesandte geschickt, weil wir fürchteten, daß ihr der Macht der Athener gegenüber'den Muth verlieren möchtet, sondern vielmehr, daß ihr euch durch ihre Reden könntet gewinnen lassen, wenn ihr nicht zuvor auch uns gehört. Unter welchem Vorwand sie nach Sieilien gekommen find, habt auch ihr gehört; was aber ihr eigentlicher Plan dabei ist, können wir Alle vermuthen. Mir nun scheint es keineswegs, als ob sie die Leontiner in ihre Heimath zurückfuhremwollten,, sondern vielmehr, daß sie uns selbst der Heimath berauben wollen. Denn eS ist wohl nicht gar wahrscheinlich, daß sie dort Städte vernichten, hier aber Städte wieder aufbauen sollten, auch wohl-nicht, daß sie sich hier der Leontiner, als Chalkidischen Ursprungs, der Verwandtshcaft wegen annehmen, während sie die Chalkidier auf Euböa selbst, deren Pflanzvolk diese sind, in Knechtschaft halten. Viel wahrscheinlicher ist, daß sie mit demselben Verfahren,.wie sie dort ihre Herrschaft erlangt haben, dieselbe auch hier bei uns zu erlangen suchen.: Nachdem sie nämlich durch freiwilligen Entschluß der Joner, und wer sonst frei ihrer Bundesgenossenfchast sich angeschlossen hatte, Führer der Hellenen geworden waren, wie um an den Medern Rache zu nehmen, haben sie sich Alle unterworfen, indem sie die Einen anklagten, daß sie der Kriegspflicht nicht nachgekommen, die Andern, daß sie unter einander Krieg geführt, und so bei Allen und Jeden irgend eine Beschul? digung zum Deckmantel nahmen. Also haben weder diese für die Freiheit der Hellenen, noch auch die Hellenen selbst um ihre eigene Freiheit gegen die Meder gekämpft, vielmehr die Athener nur, damit die Hellenen nicht dem Meder, sondern ihnen selbst unterthänig würden, und die Hellenen nur, um ihren Herrn mit einem neuen zu vertauschen, der freilich nicht so schwachköpfig war, aber doch nur zu ihrem eigenen Unglück schlauer."

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