Kitap 6
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„Und wenn sich Einer die Sache so vorstellt, als ob nur der Syrakusaner mit dem Athener im Krieg sei, er selbst aber nicht, — wenn Einer denkt, daß es thöricht sei, für mein Vaterland sich in die Gefabren des Kriegs zu begeben, so möge er bedenken, daß er nicht sowohl für meine Vaterstadt, sondern in der meinigen auch eben so gut für die seinige fechten wird, und zwar deßhalb mit um so mehr Sicherheit, weil ich nicht bereits schon vor ihm vernichtet bin, und er also nicht allein, sondern in meiner Bundesgenossenschaft kämpfen wird. Er bedenke, daß der Athener nicht gekommen ist, um die Feindschaft des Syrakusaners gegen ihn (und seine sikelischen Bundesgenossen) zu bestrafen, sondern vielmehr, um auch seine eigene'Knechtschaft sicher vorzubereiten, unter dem Vorwande, daß es mir gilt. Wenn uns aber Einer beneidet, oder auch fürchtet — denn beidem ist die überlegene Macht ausgesetzt — und deßhalb wünscht, daß Sy? rakus zwar durch Unglück gedemüthigt und bestraft werde, aber seiner eigenen Sicherheit wegen doch erhalten bleibe, so hofft er die Erfül 414 v. Chr. lung eines Wunsches, der über das Bereich menschlicher Kraft weit hinausgeht. Denn es ist nicht möglich, daß Einer auf dieselbe Weise, wie seinen Wunsch, so auch das Glück beherrsche. Und wenn er dann wider Erwarten Alles anders kommen sieht, so wird er bald über sein eignes Unglück zu jammern haben, und würde dann vielleicht viel darum geben, wenn er unser Glück noch beneiden dürste, wie vorher. Aber das ist dann unmöglich, wenn er uns schon preisgegeben und nicht dieselben Gefahren hat mit uns theilen wollen, die zwar nicht dem Namen, aber doch der That nach auch die seinigen sind. Denn scheinbar'hätte Einer unsere Macht retten zu helfen, in der That aber würde er für seine eigene Rettung handeln. Und vor allen Andern hättet ihr Kamarinäer, die ihr unsere Gränznachbarn und deßhalb zunächst nach uns bedroht seid, die Gefahr rechtzeitig in's Auge fassen sollen, und euch nicht als so lahme Bundesgenossen zeigen, wie ihr es jetzt thut; sondern wie ihr gewiß uns bittend um Hilfe angegangen hättet, wenn die Athener zuerst gegen das Gebiet von Kaniarina gezogen wären, so solltet ihr in gleicher Weise auch jetzt zu uns geschickt haben und uns auffordern, in Nichts nachzugeben. Aber weder ihr, noch auch die Andern habt dazu Anstalten gemacht."