Kitap 8
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Dem Tissaphernes redete er zu, er solle sich doch nicht allzusehr beeilen, den Krieg zur Entscheidung zu bringen, und nicht durch Herbeirufung einer Phönikischen Flotte, welche er ausrüsten ließ, oder durch Soldzahlungen an noch mehr Hellenen einer und derselben Hellenischen Macht die Obmacht zu Land und zu Wasser absichtlich in die Hände spielen; er möge vielmehr zwischen beiden Parteien die Herrschaft gleich getheilt sein lassen; denn so habe der König immer die Möglichkeit, wenn der eine Theil ihm lästig werde, den andern gegen jenen aufzuhetzen. Würde aber die Herrschaft zu Land und zu Wasser in Einer Hand vereinigt, so werde er in Verlegenheit sein, mit .wessen Mithilfe er die Herrschenden bezwingen könne; er müßte denn mit großen Kosten nnd unter großen Gefahren selber auftreten und wieder einmal einen Entscheidungskampf wagen wollen. Viel einfacher sei es, mit einem geringen Theil desselben Aufwandes und zugleich mit vollkommener eigener Sicherheit die Hellenen sich unter einander aufreiben zulassen. Vortheilhafter für den König sei eS aber, wenn die Athener Theilhaber an seiner Herrschaft würden; denn sie strebten weniger nach Eroberung des festen Landes, und der ausgesprochene Zweck und die Art ihrer Kriegführung stimmten besser zum Vortheil der Perser. Denn sie gingen darauf aus, sich selbst einen Theil der Inseln zu unterwerfen und damit zugleich auch dem Tissaphernes diejenigen Hellenen, welche in des Königs Gebiet wohnten; jene aber seien im Gegentheil als Befreier gekommen, und eS habe doch keine Wahrscheinlichkeit für sich, daß die Lakedämonier jetzt Hellenen von der Herrschaft der Athener, die doch auch Hellenen seien, befreien, und nicht auch von der der Barbaren freimachen, wenn nicht gar einmal deren ganze Macht vernichten wollten. Er rieth ihm also sür's Erste, beide Theile sich schwächen zu lassen und beide mög- 412 v.. Chr. lichst zu verkürzen, bis er schließlich auch die Peloponnefier selbst wieder heimschicken könne. Und in der That stimmte dieß Alles zu den Absichten des Tissaphernes,sofern wenigstens aus dem wirklich Geschehenen darauf zu schließen ist. Er glaubte deßhalb auch, daß AlkibiadeS in diesen Dingen ihm den besten Rath ertheilt habe, und im Vertrauen auf ihn lieferte er den Peloponnesiern die Verpflegung nur kärglich und ließ eS nicht nur nicht-zu einer Seeschlacht kommen, sondern schadete ihnen auch dadurch, daß er fälschlich vorgab, die Pbönikischen Schiffe würden kommen, und sie würden so mit überlegener Macht kämpfen. Auf diese Weise benahm er der peloponnesischen Seemacht/die bereits einen so großen Aufschwung genommen hatte, die Möglichkeit, sich auf's Glänzendste zu entwickeln, und auch im Uebrigen war seine lässige Theilnahme am Kriege viel zu ausfallend, als daß es nicht hätte bemerkt werden sollen..