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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 8

92 Deshalb ließen sie auch an den Festungswerken, an denen sich Mauerpforten und Einlaßtüren für die Feinde befanden, fleißig weiter arbeiten, damit sie beizeiten fertig würden. Bis dahin war hiervon mehr nur im stillen und in engeren Kreisen die Rede gewesen. Da aber wurde Phrynichos nach der Rück­ kehr von der Gesandtschaft nach Lakedämon, als er vom Rat­ hause kam, nicht weit davon auf vollem Markte von einem Manne der Stadtwache hinterrücks erstochen und starb auf der Stelle. Der Täter entkam; sein Gehilfe aber, ein Argeier, wurde ergriffen und auf Befehl der Vierhundert gefoltert, nannte jedoch niemand, der ihn angestiftet, sondern blieb da­ bei, nichts weiter zu wissen, als daß viele Leute im Hause des Hauptmanns der Stadtwache und auch anderswo Zu­ sammenkünfte hätten. Als nichts dabei herauskam, gingen Theramenes, Aristokrates und die übrigen, welche unter den Vierhundert oder sonst mit ihnen eines Sinnes waren, um so dreister zu Werke. Inzwischen waren nämlich die Schiffe schon von Las herumgekommen, bei Epidauros vor Anker gegangen und vorübergehend auch bei Agina erschienen, und nun erklärte Theramenes, die Schiffe wären auf der Fahrt nach Euboia sicher nicht in die Bucht von Ägina eingelaufen und dann wieder bei Epidauros vor Anker gegangen, wenn man sie nicht zu dem von ihm schon immer angedeuteten Zwecke herbei­ gerufen hätte; dem aber dürfe man nicht länger ruhig zusehen. Endlich, nachdem die allgemeine Unzufriedenheit und der Ver­ dacht sich vielfach noch weiter in Worten Luft gemacht hatte, kam es dann auch zu Tätlichkeiten. Die Hopliten, welche im Peiraieus an den Festungswerken auf Eetioneia arbeiteten, bei denen sich auch Aristokrates mit seiner Abteilung befand, er­ griffen Alexikles, einen oligarchisch gesinnten Feldherrn, der für die Partei durch dick und dünn ging, und brachten ihn in ein Haus, wo sie ihn gefangenhielten. Außer ihnen beteiligten sich daran auch noch andere, so namentlich ein gewisser Hermon, der Hauptmann der Stadtwache in Munychia, aber das Wich­ tigste war doch, daß die Hopliten alle damit einverstanden waren. Als dies den grade auf dem Rathause versammelten Vierhundert gemeldet wurde, wollten sie, soweit sie nicht selbst zu den Mißvergnügten gehörten, sogleich zu den Waffen greifen und stießen gegen Theramenes und seine Gesinnungsgenossen Drohungen aus. Er aber suchte sich zu rechtfertigen und er­ klärte sich bereit, sofort selbst mitzugehen, um den Mann auf freien Fuß zu setzen, machte sich auch gleich mit einem der Feldherren seiner Farbe auf den Weg nach dem Peiraieus. Auch Aristarchos und eine Anzahl junger Herren des Ritter­ standes machten sich dahin auf. Überall herrschte eine ent­ setzliche Aufregung. In der Stadt hieß es, der Peiraieus sei bereits genommen und der Gefangene getötet, im Peiraieus aber glaubte man, jeden Augenblick auf einen Angriff aus der Stadt gefaßt seift zu müssen. Die älteren Leute suchten die in der Stadt Herumirrenden und zu den Waffen Eilenden zu beschwichtigen, Thukydides aus Pharsalos, der grade anwesende Staatsgastfreund der Athener, trat ihnen einzeln mutig ent­ gegen und beschwor sie, in diesem Augenblick, wo der Feind vor der Tür sei, das Vaterland nicht unglücklich zu machen, so daß es endlich gelang, sie zu beruhigen und einen Straßen­ kampf abzuwenden. Als Theramenes, der selbst auch Feldherr war, im Peiraieus ankam, schalt er die Hopliten tüchtig aus, er freilich nur zum Schein, während Aristarchos und die Männer der Gegenpartei im Ernst ihren Ingrimm an ihnen ausließen. Die Hopliten aber machten sich daraus nichts, sondern hatten meist nicht übel Lust, über die Gegner herzu­ fallen, und fragten Theramenes, ob er es für besser hielte, die Festungswerke auszubauen oder sie niederzureißen. Er aber erwiderte ihnen, wenn sie dafür wären, sie niederzureißen, so habe er seinerseits nichts dagegen. Als Schlagwort der Menge gegenüber aber diente dabei, daß jeder, der den Fünftausend anstatt der Vierhundert zur Herrschaft verhelfen wollte, mit Hand anlegen müsse. Man suchte nämlich immer noch den Schein zu wahren und führte nur die Fünftausend im Munde, statt sich offen für die Demokratie zu erklären, aus Furcht, es könnte dieser oder jener von ihnen zugegen sein und ein un­ vorsichtiges Wort in dessen Gegenwart gefährlich werden. Nach u der Absicht der Vierhundert aber sollte aus den Fünftausend überhaupt nichts werden und man doch nicht merken, daß sie nicht vorhanden seien; denn die Beteiligung einer so zahlreichen Versammlung an der Regierung würde in ihren Augen denn doch nichts anderes als Demokratie gewesen sein, ihre förm­ liche Abschaffung aber Befürchtungen in der Bürgerschaft er­ regt haben.

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