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2 Der Thrakische Stamm der Dolonter führte Krieg gegen die Apstnthier, ihre Nachbarn. Da sie aber unglücklich waren in diesem Kriege und immer von ihren Feinden geschlagen wurden und also jegliches Unheil über sie erging, so nahmen sie ihre Zuflucht zum Orakel des Gottes, denn sie wußten, daß die Gottheit allein Auswege findet aus verzweifelter Lage; und auch AeschyloS sagt ja, daß des GotteS Macht über AlleS erhaben ist, der die Wolke schweres Unheils, wenn sie auch schon die Augen bedeckt, wieder entfernt ^). Und sie täuschten sich nicht in ihrer Hoffnung; denn sie erhielten den Spruch: sie würden den trefflichsten Führer finden, und zwar in dem Manne, der sie, die Umherirrenden, gastfreundlich einladen werde. s^DieS geschah zu der Zeit, als KrösoS über Lydien herrschte und zu Athen die Gewaltherrschaft der Peisistratiden bestand.^ Als sie nun vom Orakel nach der Heimat zurückgingen, trafen sie auf den Miltiades, der vor der Thüre seines Hauses saß, erzürnt und bekümmert über die Gewaltherrschaft und nachsinnend, wie er Attika verlassen könnte, ohne das Gesetz zu verletzen. DieS hatte aber der weissagende Gott zu ihrem Besten also gefügt. Da er sie nun im Auszug? umherirrender Leute sah und wohl wußte, waS es heißt, in der Irre fahren zu müssen, so lud er die Männer in die Gastfreundschaft seines HerdeS, indem er so, ohne es zu ahnen, dem Willen des Orakels diente. Die 2) Pherekyde», nicht der Syrier, sondern der Lerler oder Athener. (Popp» ) 3) Vergl. AeschyloS, Sieben vor Theben, A. 2N ff. aber freuten sich, daß diese Gastlichkeit ihnen einen Führer geschenkt, und erzählten ihm Alles und wählten ihn zu ihrem Feldherrn. Die Einen berichten nun, jener habe den Gott nochmals befragt und sei dann mit ihnen weggezogen, die Andern aber, er sei nicht ohne die Bewilligung des Tyrannen weggegangen, sondern habe zuvor dem Gewalthaber die Aufforderung der Thraker mitgetheilt, und dieser habe ihm auch seinerseits die Erlaubniß gegeben und ihn entlassen, froh darüber, daß ein so viel vermögender Mann Athen verlasse. Als Feldherr nun erfüllte er die Verheißungen des Orakels, und nach dem Siege kolonisirte er den Chersonesos. Als dann sein Sohn gestorben war, übernahm die Nachfolgt in der Herrschaft über den EbersoneS Stesagoras sein Bruder von derselben Mutter. Als aber auch dieser gestorben war, übernahm die Nachfolge Miltiades, der den gleichen Namen hatte mit dem ersten Gründer und des Stesagoras Bruder war von demselben Vater und derselben Mutter. Dieser nun, obgleich er von einer attischen Frau Söhne hatte, nahm doch ans dem Wunsche nach Herrschaft die Hegesipyle, des Thrakerkönigs Oloros Tochter, zur Frau und zeugte mit dieser ein Söhnlein. Als dann aber.die Perser gegen Hellas heranzogen, packte er seine Habe zusammen und schickte sie nach Athen, und so auch die, meisten Glieder seiner Familie. Das Schiff nun, auf welchem auch seine Kinder, jedoch nicht die der Thrakischen Frau, sich befanden, wurde aufgefangen^), vom König aber wieder freigegeben, sofern Herodotos nicht falsch berichtet. Miltiades selbst rettete sich aus Thrakien glücklich nach Attika; keineswegs aber vermied er die Anklagen seiner Feinde, die Beschuldigungen gegen ihn vorbrachten, indem sie ihn der Gewaltherrschaft ziehen. Gleichwohl entging er auch diesen und wurde im Kriege gegen die Barbaren zum Feldherrn gewählt. Von diesem nun sagt man, leite sich das Geschlecht des Thuky-dides her, und einen sehr starken Beweis dafür erblickt man in seinem großen Vermögen und in seinen Besitzungen in Thrakien und syle gelegenen Bergwerken. Er scheint nun Einigen deS Miltiades oder dessen Tochtersobn zu sein. Er selbst hat uns die 4) Herodot VI, 4l. 5) Hnovit hat dies nicht gesagt (Kr.. Untersuchung hierüber nicht ersparen wollen, denn er thut seiner Abstammung keine Erwähnung. Das wissen wir aber sicher, daß sein Vater nicht Orolos heißt (mit dem R in der ersten und dem L in der zweiten Sylbe 6), da diese Schreibweise fehlerhaft ist, auch nach der Meinung des Didymos; denn daß der Name Oloros lautet, bezeugt die Säule auf seinem Grabe, in welcher eingegraben steht: „Thukydides, des Oloros Sohn, der Halimufier." -Bei dem sogenannten Melitischen Thore nämlich, in Koile, befinden sich die sogenannten Kimonischen Denkmäler, unter welchen auch die Gräber des Herodotos und Thukydides gezeigt werden. Hieraus geht deutlich hervor, daß er in der That in die Familie des Miltiades gehört, denn Fremde werden dort nicht begraben. Auch bezeugt dies Polemon in seinem Buche über die'Akropolis, wo er auch erwähnt, daß jener einen Sohn des Namens Timotheos gehabt habe. Hermippos indessen erzählt, daß er sein Geschlecht auch von den Peifistratiden herleite, weßhalb er denn auch in seinem Geschichtswerke die That des HarmodioS und Aristogeiton auf übelwollende Art erzähle, wo er sagt, daß sie keine Tyrannenmörder seien; denn nicht den Tyrannen tödteten sie, sondern des Tyrannen Bruder Hipparchos..

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