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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap front

2 Thukydides teilt den alten Götterglauben nicht mehr, aber er glaubt an eine über den menschlichen Dingen waltende höhere Macht, die Tyche, wie er sie nennt, und das will doch sagen: an eine göttliche Vorsehung (ll 64). Den Orakeln gegenüber verhält er sich skeptisch, und an den Einfluß von Erdbeben, Mondfintsernissen und dergleichen auf den Gang der Ereig­ nisse glaubt er nicht. „Er erblickt daS historische Motiv in der Beschaffenheit der Menschennatur. Der Mensch selbst, besonders in seinen Lastern und Leiden, ist der Mittelpunkt seiner Geschichte." Er geht den Dingen sorgfältig auf den Grund und befleißigt sich strenger Wahrhaftigkeit. Thukydides, nicht zu verwehcseln mit dem gleichnamigen, I 117 erwähnten Gegner des Perikles, ist Aristokrat, aber kein eng­ herziger Parteimann. Er bewundert Perikles, preist die Größe und Blüte Athens unter seiner Verwaltung und beklagt die spätere Ausartung der Demokratie und daS verderbliche dema­ gogische Treiben seiner Nachfolger. Aber die oligarchische Herrschaft in Athen (411) ist nicht nach seinem Sinne, und er erklärt die nach deren Sturz erfolgte, auf eine vernünftige Mischung von Oligarchie und Demokratie hinauskommende Staatsveränderung für die wohlerwogenste, welche bei seinen Lebzeiten eingeführt sei (Vlll 97). Die Härte der Herrschaft der Athener und die Rücksichtslosigkeit ihrer Machtpolitik ver­ kennt er nicht, nimmt aber, wie seine Zeitgenossen überhaupt, daran keinen Anstoß, überzeugt, daß es nun eben unter Menschen nicht anders zugehe, und daß es die Lakedämonier jedenfalls nicht besser machen würden.

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